In Hagen gärt es. Zwischen Verwaltung, Politik und Bürgerschaft ist das Klima angespannt, das Vertrauen erodiert, so zumindest die Diagnose des Hagener Unternehmerrats. Und es sind nicht bloß leere Worte, denn immer häufiger landen Konflikte vor Gericht, wo langwierige Verfahren und verhärtete Fronten an die Stelle von Verständigung und Kompromiss treten. Dabei gäbe es einen bewährten Weg, der Dialog statt Konfrontation fördert – die Mediation. Der Unternehmerrat fordert deshalb jetzt ganz klar: Hagen braucht einen Mediator, um den Stadtfrieden wiederherzustellen.
Entfremdung statt Einbindung
Die Kritik kommt nicht von außen, sondern aus der Mitte der lokalen Wirtschaft. Der Hagener Unternehmerrat, ein Zusammenschluss von rund 100 Unternehmerinnen und Unternehmern aus der Region, schlägt Alarm. In mehreren Umfragen, sowohl eigenen als auch von unabhängigen Stellen, wurde deutlich, dass die lokale Wirtschaft und auch viele Bürger sich nicht mehr als Partner der Stadt wahrnehmen. Entscheidungen würden zunehmend über ihre Köpfe hinweg getroffen, Beteiligungsprozesse wirken halbherzig oder rein formal. Als symptomatisch gilt der jüngste Fall rund um die Sanierung der Hüttenbergstraße.
Diese Straße wurde zwar bereits vor 58 Jahren gebaut, dennoch wertet die Stadt Hagen die Maßnahme als sogenannte „Ersterschließung“ mit weitreichenden Konsequenzen: Die Anwohner sollen die Kosten tragen. Als diese eine außergerichtliche Lösung vorschlugen, wies die Stadt das Ansinnen zurück. Statt Kompromissbereitschaft, wurde für den Weg vors Gericht entschieden. „Das zeigt wieder einmal, dass bürgernahes Verhalten nicht gerade zu den Prioritäten der Verwaltung zählt“, resümiert Winfried Bahn, Sprecher des Unternehmerrats.
Mediation statt Eskalation
Dabei gäbe es eine klare und konstruktive Alternative zum juristischen Schlagabtausch: Die Mediation. Der Unternehmerrat plädiert deshalb erneut für die Einrichtung einer Schlichtungsstelle. Ein Vorschlag, der bereits 2017 im sogenannten Werte- und Strategiekompass des Gremiums verankert wurde. Ziel sei es, einen neutralen Dritten – einen Mediator, einzusetzen, der zwischen Verwaltung und Bürgerschaft vermittelt. So ließen sich nicht nur gerichtliche Auseinandersetzungen vermeiden, sondern vor allem auch das verloren gegangene Vertrauen zurückgewinnen.
Ein Mediator ist nicht Richter, sondern Vermittler. Er bringt die Beteiligten an einen Tisch, sorgt für einen fairen Austausch der Interessen und hilft, tragfähige Lösungen zu entwickeln. Gerade in komplexen oder emotional aufgeladenen Konflikten kann dies entscheidend sein, um Blockaden zu lösen und wieder Gesprächsfähigkeit herzustellen. Dass die Stadt sich bislang gegen ein solches Verfahren sträubt, wirft Fragen auf. Insbesondere, da Mediation nicht nur konsensorientierter, sondern oft auch schneller und kostengünstiger ist als der Rechtsweg.
Chance für eine neue Streitkultur
Was Hagen derzeit erlebt, ist kein Einzelfall. Viele Städte stehen vor der Herausforderung, Bürgerbeteiligung nicht nur zu versprechen, sondern aktiv zu leben. In Zeiten wachsender Skepsis gegenüber staatlichen Institutionen kommt es mehr denn je darauf an, ernsthaft zuzuhören, transparent zu handeln und Konflikte lösungsorientiert anzugehen. Ein Mediator könnte hier nicht nur als Brückenbauer wirken, sondern als Symbol für eine neue Haltung: weg von der Verwaltung als Autorität, hin zur Kommune als Gemeinschaft.
Für die Verwaltung selbst hätte das ebenfalls klare Vorteile. Die Rechtsabteilungen könnten entlastet, Verfahren beschleunigt, Beziehungen gestärkt werden. Und auch auf politischer Ebene böte die Mediation eine Plattform, um Eskalationen zu verhindern, bevor sie den öffentlichen Diskurs und das Vertrauen nachhaltig belasten.
Jetzt ist der richtige Zeitpunkt
Die Forderung des Unternehmerrats ist mehr als nur ein Appell. Sie ist eine Einladung zur Neubesinnung auf die Grundwerte kommunalen Zusammenlebens. Mediation steht für Verständigung, für Augenhöhe, für Respekt. Gerade in einer Stadt wie Hagen, die vor großen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen steht, kann sie zum Motor für ein neues Miteinander werden. Der Stadtfrieden beginnt nicht vor dem Gerichtssaal, sondern am Verhandlungstisch.
In Städten und Kommunen, die vor großen wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen stehen, kann der Dialog unter Leitung einer erfahrenen Mediatorin unmittelbar unterstützt und gefördert werden.




